Elektrische Betonsteinmaschine
Neue Maschine soll Schulbau deutlich beschleunigen
Blickwinkel Afrika wirbt um Unterstützung für nachhaltige Baustoffproduktion in Malawi
Ibbenbüren/Kacheche (Malawi). Der Aufbau der neuen St. Catherine Girls Boarding Secondary School in Kacheche im Norden Malawis schreitet Schritt für Schritt voran. Nachdem bereits die Wasserversorgung mit einer Solarpumpe gesichert werden konnte und die Bauarbeiten für den ersten Doppelklassenraum begonnen haben, steht nun ein weiteres wichtiges Vorhaben an: die Anschaffung einer elektrischen Betonsteinmaschine mit Generator.
Die Schule wird von der Diözese Mzuzu aufgebaut und soll künftig Mädchen aus ländlichen Regionen den Zugang zu weiterführender Bildung ermöglichen. Unterstützt wird das Vorhaben von mehreren Partnern, darunter Blickwinkel Afrika e.V., Missio Austria und die Umckaloabo Stiftung.
Für die kommenden Jahre sind zahlreiche weitere Gebäude geplant. Neben zusätzlichen Klassenräumen sollen unter anderem Schülerinnenhostels, Lehrerhäuser, Sanitäranlagen und weitere Funktionsgebäude entstehen. Damit diese Bauarbeiten wirtschaftlich umgesetzt werden können, möchte die Diözese künftig einen Großteil der benötigten Baustoffe selbst herstellen.
Bislang müssen die Betonsteine von externen Anbietern gekauft und anschließend über weite Strecken zur Baustelle transportiert werden. Das verursacht hohe Kosten. Nach Berechnungen der Projektverantwortlichen kann eine eigene Betonsteinmaschine die Herstellungskosten pro Stein deutlich senken und gleichzeitig die Baugeschwindigkeit erhöhen.
Die Vorsitzende von Blickwinkel Afrika e.V., Inga Postmeyer, sieht darin einen wichtigen Schritt für die langfristige Entwicklung des Projekts:
„Bei dieser Investition geht es nicht nur um eine Maschine. Sie hilft uns, die nächsten Bauabschnitte deutlich wirtschaftlicher umzusetzen. Jeder Euro, der bei Baumaterialien eingespart wird, kann direkt wieder in Bildung investiert werden.“
Ein weiterer Vorteil liegt in der Nachhaltigkeit der eingesetzten Baustoffe. Produziert werden sollen sogenannte CBSS-Blöcke (Cement Bound Stabilized Soil Blocks) beziehungsweise Zementblöcke. Diese gelten in Malawi als umweltfreundliche Alternative zu den früher weit verbreiteten gebrannten Lehmziegeln. Für deren Herstellung werden große Mengen Brennholz benötigt, was zur Entwaldung beiträgt. Deshalb setzt die malawische Regierung bei öffentlichen und kommerziellen Bauvorhaben zunehmend auf nachhaltige Alternativen wie stabilisierte Erd- und Zementblöcke.
Der Gedanke der Nachhaltigkeit spielt bei den Projekten der Diözese Mzuzu bereits seit vielen Jahren eine wichtige Rolle. Projektkoordinator und Pfarrer Fr. John Benjamin Moyo verfolgt bei seinen Schulprojekten regelmäßig Ansätze, die Bildung und Umweltschutz miteinander verbinden. So wurde beispielsweise der Bau eines Klassenraums in Chigonazunugu bei Nkhata Bay durch das Umweltprojekt „Plant a Tree, Grow with a Tree“ begleitet. Schülerinnen und Schüler pflanzten dort Bäume und übernahmen Verantwortung für deren Pflege. Das Projekt sollte nicht nur neue Lernräume schaffen, sondern gleichzeitig einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten.
„Wir schätzen an unserem Partner besonders, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort ist, sondern seit Jahren konkret gelebt wird“, sagt Inga Postmeyer. „Die Entscheidung für eine Betonsteinmaschine und nachhaltige Baustoffe passt deshalb sehr gut zu der langfristigen Entwicklungsstrategie, die Fr. Moyo und die Diözese verfolgen.“
Auch beim Aufbau der neuen Mädchenschule in Kacheche sollen ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Neben der Nutzung umweltfreundlicher Baustoffe sind perspektivisch weitere Baumpflanzaktionen auf dem Schulgelände vorgesehen. Dadurch soll ein angenehmes Lernumfeld entstehen und zugleich ein Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden.
Die geplante Maschine soll nicht nur beim aktuellen Doppelklassenraum zum Einsatz kommen. Vielmehr kann sie über Jahre hinweg für den Bau sämtlicher weiterer Gebäude auf dem Schulgelände genutzt werden. Dadurch entsteht ein dauerhafter Mehrwert weit über den jetzigen Bauabschnitt hinaus.
Darüber hinaus eröffnet die Maschine eine interessante Zukunftsperspektive. Sobald der Bedarf der Schule gedeckt ist, könnten überschüssige Produktionskapazitäten für andere Bauprojekte in der Region genutzt werden. Die Verantwortlichen vor Ort sehen darin die Möglichkeit, langfristig zusätzliche Einnahmen zu erzielen und damit den weiteren Ausbau sowie den späteren Betrieb der Schule zu unterstützen.
„Mit dieser Investition schaffen wir nicht nur einen finanziellen Vorteil für die aktuelle Bauphase. Die Maschine kann langfristig helfen, weitere Gebäude kostengünstiger zu errichten und möglicherweise sogar eigene Einnahmen für die Schule zu generieren. Das ist nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit im besten Sinne“, erklärt Inga Postmeyer.
Für die Anschaffung der elektrischen Betonsteinmaschine einschließlich Generator werden rund 5.900 Euro benötigt.

